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   Selma, Balsam für die Seele

Ein Blindenführhund ist mehr als eine Mobilitätshilfe. Bericht über einen Ausflug zum Duisburger Hauptbahnhof mit M. St. Mont und ihrer Labrador-Hündin.

Selma, ist der erste Hund im Leben Maria St. Monts, gar das erste Haustier überhaupt. Maria hätte Selma nicht, wenn sie nicht auf sie angewiesen wäre und jetzt möchte sie sie im Leben nicht mehr missen.

Maria St. Mont erkennt von ihrem Gegenüber nicht einmal, ob der eine Brille trägt oder nicht. Selma sieht. Treffpunkt am Duisburger Hauptbahnhof, Aufgabe: Auf Gleis 3. Durch den Tunnel, der Maria St. Mont ein stockdunkler ist. Eine vererbbare Netzhauterkrankung hat sie, sieht keine Farben mehr, nur noch Schemen; sie hat Renititis Pigmentosa, den sogenannten Tunnelblick. Im letzten Jahr kam dann noch ein Grauer Star dazu. "Ich kriege nicht genug", scherzt die lebenslustige Mülheimerin, die dort zweite Vorsitzende im Blinden- und Sehbehindertenverein ist.

Sie laufen zügig. "Sie zieht", sagt Maria St. Mont über ihre Labrador-Hündin, "man hält sich fest und sie zieht. Durch die Bewegung des Geschirrs weiß ich, wo sie hinläuft." Selma wiegt ihren Oberkörper leicht rechts-links, rechts-links. Es geht geradeaus. Maria St. Mont hat vor dem Eingang gefragt, wie weit es in etwa ist zum Gleis, sie prägt sich die Entfernung ein und sagt zum rechten Zeitpunkt: "Such Treppe." Nicht die mit den Rollen, die ist tabu, sondern die steinerne - funktioniert. Auch auf Treppen hilft der Hund, je höher er das Bein hebt, desto höher die Stufe, merkt Frauchen. "Such Weg", sag St. Mont und die beiden marschieren gen. Gleisrand. Exakt bis an die weiße Linie. Dann macht sie Platz - von ganz allein. "Jetzt ruht sie sich aus für die nächste Aufgabe", erklärt St. Mont. Ein Zug fährt ein. "Such Tür"

Selma ist bei Siegfried Küch in Alpen am Niederrhein zur Blindenführhundschule gegangen. 500 Hunde haben Küch und seine Trainer in den letzten 20 Jahren ausgebildet. "Ein Hund ist die beste Mobilitätshilfe, die es gibt", sagt Küch.

Maria St. Mont und Selma könnten nun zurückfahren nach Mülheim, wo sie sich zusammen längst wieder an Orte begeben, an denen Maria alleine seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen ist. "Die Selbstständigkeit kehrt wieder", freut sich Maria St. Mont, "man ist nicht immer auf Freunde oder auf die Familie angewiesen, sondern kann auch einfach mal sagen: Ich bin weg."

Ein Blindenführhund kennt etwa 30 Hörzeichen, erklärt Küch: "Mit einem guten Hund laufen Sie zickzack durch die Stadt." Geradeaus reicht indes völlig. Ihren Langstock benutzt Maria St. Mont fast nur noch zum Ertasten von Stufen oder Straßenkanten. "Ich muss mit meinen Ohren noch mit dabei sein", sagt sie, den Rest macht Selma. "Sie gibt mir Sicherheit." Nur sehen wird sie sie nie können. "Das Gesicht kenn ich nicht", sagt Maria St. Mont, "aber ich weiß, dass sie schwarz ist und schöne, braune Augen hat."

Bericht "WAZ"
 
   Teamarbeit: Dieser Hund guckt für zwei

"Such Weg!" Zielstrebig umkurvt Schäferhund Gay einen Werbeaufsteller, ohne dabei den Kleiderständer des benachbarten Geschäfts aus dem Blick zu verlieren. Vertrauensvoll lässt sich Silke Schröder von Gay durch die Innenstadt führen. Die 39-jährige Blinde hat in den vergangenen drei Wochen ein anspruchvolles Training absolviert. Jetzt wurde es mit der bestandenen Gespannprüfung belohnt. Sie und ihr neuer Hund sind jetzt ein Team.

"Such Eingang!" Der imposante Schäferhundrüde mit dem weißen Geschirr geht noch einige Schritte geradeaus und biegt rechts in den Eingang der Bank ein. Silke Schröder gibt gleich die nächsten Anweisung:"Such Schalter!" Auch damit hat der junge Führhund kein Problem: Er bringt seine Halterin an den Bedienungsschalter. Silke Schröder fährt ihm mit der Hand übers Fell. Auch Anke Brinkmann ist angetan davon, wie gut die Verständigung zwischen dem knapp zweijährigen Schäferhund und der Bramscherin klappt.

"Such Ausgang! Rechts weiter!" gibt Schröder die Richtung an. Unbeirrt such Gay den Weg.

"Such Zebra!" fordert Schröder Gay auf. Treffsicher steuert er den Zebrastreifen an und bleibt vor dem Bordstein stehen. Silke Schröder hört sich um. "Erst wenn ich mir hundertprozentig sicher bin, dass ich mich und meinen Hund sicher über die Straße bringe, schicke ich den Hund los", wird sie später erklären, denn während des Übungsganges durch die Stadt muss sie sich voll und ganz auf den Hund konzentrieren.

"Rüber!" Gay betritt die Fahrbahn und seist seine Halterin auf der anderen Seite durch erneutes Stehenbleiben auf den Bordstein hin. "Prima", lobt Schröder.

Was hätte der Hund bloß getan, wenn sich Silke Schröder getäuscht hätte, und nach ihrem Kommando ein Auto -unvorhergesehen - oder muss es besser unvorhergehört heißen? - um die Ecke gebogen wäre? "Das ist der Zeitpunkt für eine intelligente Gehorsamsverweigerung", erklärt die Trainerin.

Am Bahnhof angekommen: Trubelig und laut ist es hier. Silke Schröder will die Bahnsteige überqueren. Vor der Treppe, die auf die Brücke führt, bleibt Gay stehen, damit seine Halterin auf die Stufen aufmerksam wird. Problemlos bewältigt das Paar den Aufstieg. Auf der anderen Seite sollen sie den Aufzug benutzen. Die Befehle "Einsteigen" und "Aussteigen" beherrscht Gay auch, sie gehören zu den 30 bis 40 so genannten Hörzeichen, die ein Blindenführhund versteht.

Mit Abstand zu den Gleisen schreitet Gay den Bahnsteig entlang. Ein Zug fährt ein. "Ist größer als ein Auto und mach mehr Krach", sagt Schröder, die sich nach eigenem Bekunden selbst beim dritten Blindenführhund noch darüber wundert, wie unerschrocken diese Tiere sind. Kurze Pause am Bahnsteig und Gelegenheit zu erfahren, was ein Führhund im Leben der Blinden bedeutet.

"Ein riesiges Stück Unabhängigkeit", sagt Schröder. "Ich nehme meinen Hund und unternehme was, und wenn es nur darum geht, ein Eis essen zu gehen, in den Kopf kommt." Deshalb ist ihr Hund weitaus mehr als ein geliebtes Familienmitglied: ein unverzichtbares Hilfsmittel.

"Gerade voran!" Wir machen uns auf den Rückweg. Zielstrebig zieht Gay einen Bogen um eine Laterne. "Da war irgendwas", kommentiert Schröder. Ein Abstecher zur Post gibt Gay die Chance, sein Können erneut unter Beweis zu stellen. "Such Box!" lautet die Anweisung, die das Team zum Briefkasten führt. Begeisterung löst Gay aus, als er seine Halterin in ausreichendem Abstand an einer Hecke vorbeiführt, die den Fußweg im oberen Teil überragt. Der Hund selbst hätte die Hecke gequem auch dichter passieren können, das Geäst hätte Silke Schröder aber im Gesicht getroffen.

"Der führt einfach super", findet Schröder. Das Gespräch in der Redaktion nutzt der Hund für ein entspanntes Nickerchen zu Füßen seiner Halterin, schließlich beginnt seine Arbeitszeit wieder in dem Moment, in dem sie vertrauensvoll in sein Geschirr greift.

Bericht aus "Osnabrücker Land"
 
   Blindenhund in Praxis hygienisch unbedenklich Sehbehinderter fühlt sich  von Ärzten diskriminiert..

DINSLAKEN. Karlheinz Stockemer ist eine "Kämpfernatur". Klein beizugeben ist nicht seine Sache. Schon gar nicht, wenn er sich im Recht weiß. Dass ihn, wie berichtet, in der vergangenen Woche ein Dinslaken ein Arzt "aus hygienischen Gründen" der Praxis verwiesen hat, weil er seinen Blindenführhund "Don" dabei hatte, macht den 58-Jährigen wütend. "Das ist ein Akt reiner Willkür", sagte Stockemer, der hochgradig sehbehindert ist, gestern zur RP. "Das lasse ich mir nicht gefallen. Der Hund gilt als orthopädisches Hilfsmittel."